Zucker ist die beliebteste Droge der Welt

Süße Sachen: Doch schon im Alter von sechs Jahren ist eines von fünf Kindern fettleibig.

Eine Studie zeigt, dass Kinder heute schockierend viel Zucker konsumieren. Genau wie harte Drogen macht Zucker abhängig und verändert das Gehirn. Sollte er wie eine Droge behandelt werden?

Sie verändern unsere Laune. Sie bewirken ein kurzzeitiges Hochgefühl. Und wenn wir uns erst daran gewöhnt haben, wollen wir mehr davon.

Diese Aussagen treffen auf Alkohol, Nikotin und Cannabis zu. Aber eben auch auf Zucker.

Unser Umgang damit steht gerade wieder auf dem Prüfstand. Eine Studie von Public Health England zeigt, dass Kinder bereits zum Frühstück die Hälfte der empfohlenen Tagesmenge Zucker zu sich nehmen. Unter Zehnjährige konsumieren demnach im Durchschnitt mehr als dreimal so viel Zucker als sie sollten.

Die Forscher sind sich nicht einig, ob Zucker süchtig macht. Aber genau wie Nikotin, Heroin und Kokain wird er gereinigt, um seinen Effekt zu verstärken. Er stimuliert die Freisetzung von Dopamin – ein Hormon, das mit dem Belohnungssystem des Gehirns zu tun hat – und ruft Entzugssymptome hervor.

Heute ist es viel einfacher, Zucker herzustellen als noch vor Jahrhunderten, als man es in den Tropen entdeckte. Deshalb sank der Preis, der Verbrauch stieg schnell an.

Nicht nur Schokolade und Brause enthalten Zucker, auch in vielen Fertigprodukten ist er enthalten. ‘Zucker ist so allgegenwärtig geworden, er kann nur durch gemeinsame und entschlossene Bemühungen gemieden werden’, schrieb Gary Taubes im Guardian.

Aber Zucker wird mit vielen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht – insbesondere Fettleibigkeit, Diabetes und damit verbundene Krankheiten. Das hat Stimmen laut werden lassen, die strengere Regeln für den Gehalt von Zucker in Essen und Trinken fordern.

2016 hat die britische Regierung eine Zucker-Steuer für die Softdrink-Industrie beschlossen. Die Weltgesundheitsorganisation hat andere aufgefordert, es ihr nachzutun. Doch es gab auch Rückschläge: In Kolumbien etwa wurde ein Anti-Zucker-Spot auf Geheiß der Zuckerindustrie verboten. Ist Zucker also eine Droge? Und sollte er entsprechend reguliert werden – zum Beispiel, indem man den Verkauf an Kinder untersagt?

Süßes Gift?

Auf alle Fälle, sagen Gesundheitsaktivisten, Zucker macht abhängig und ist schädlich, genau wie die Substanzen, die wir normalerweise ‘Drogen’ nennen. Es mag legal und sozial akzeptiert sein, Kuchen zu verschlingen, aber das macht es nicht besser. Die Regierung sollte härter vorgehen, um die Menschen zu schützen, besonders die jüngeren.

Albern, beschweren sich dagegen Zucker-Fans. Weder spritzen noch schniefen oder rauchen wir Zucker. Der Einfluss auf unser Verhalten ist relativ gering. Kleine Mengen Zucker sind vorteilhaft, vorausgesetzt wir bewegen uns regelmäßig. Und unser Körper verwandelt Kohlenhydrate in Glukose, also Zucker: Eine Substanz, die natürlich im menschlichen Blut vorkommt, kann wohl kaum eine Droge sein.

Du Entscheidest

  1. Würdest du weniger Zucker essen, wenn er teurer wäre?
  2. Ist Zucker eine Droge?

Aktivitäten

  1. Führe eine Woche lang Tagebuch über alles, was du isst und trinkst. Finde heraus, wieviel Zucker du zu dir genommen hast. Diskutiert in der Klasse gemeinsam, was ihr daraus gelernt habt.
  2. Denke an ein Essen, das du magst, und überlege dir ein alternatives, zuckerfreies Rezept dafür. Bereite es zu und iss es. Erzähle in der Klasse, wie du es fandest.

Manche Leute Sagen

„Zucker sollte verboten werden.“

Was meinst Du?

F & R

Mhm — Zucker. Kann ich nicht einfach essen, was ich möchte?
Deine Ernährung hat einen großen Einfluss auf deine Gesundheit – und auf deine Lebenserwartung. Wenn du zu viel Zucker isst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du später krank wirst. Und auch jetzt kann ein hoher Konsum zu Problemen führen, indem du gereizter wirst. Es ist wichtig, dass du deine eigenen Entscheidungen triffst, und dass du merkst, dass du selbst für deine Ernährung verantwortlich bist.
Warum ist es wichtig, ob wir es Droge nennen oder nicht?
Die Art, wie wir über solche Substanzen reden, beeinflusst die Regeln, die für sie aufgestellt werden. Wenn Zucker als ‘Droge’ eingestuft wird, ist es für die Regierung einfacher, den Genuss zu beschränken. Das hieße, dass es schwerer wird, an Zucker zu gelangen.

Wichtige Begriffe

Empfohlen
Offizielle Gesundheitsrichtlinien empfehlen, dass Vier- bis Sechsjährige nicht mehr als fünf Stück Würfelzucker pro Tag verzehren sollten, Sieben- bis Zehnjährige nicht mehr als sechs.
Entzug
Der Anstieg von Dopamin sorgt für ein kurzzeitiges Glückserlebnis. Aber auf lange Sicht wird unser Gehirn auf diese Weise trainiert, mehr von der Substanz zu wollen, die dieses Gefühl hervorgerufen hat.
Tropen
Die frühesten Nachweise für Zucker in England stammen aus dem Jahr 1099, als die Kreuzritter aus dem Vorderen Orient ein ‘neues Gewürz’ mitbrachten. Große Mengen Zucker wurden später in Gegenden wie der Karibik hergestellt.
Krankheiten
Sowohl Übergewicht als auch Diabetes machen Menschen anfälliger für Krankheiten wie Krebs oder Herzleiden.
Steuer
George Osborne verkündete diese Maßnahme als Finanzminister im März 2016. Doch nachdem Theresa May im Juli Premierministerin wurde, hat die Regierung die Pläne, hart gegen Junkfood-Werbung und Produktplatzierungen in Supermärkten vorzugehen, abgeschwächt.