Warum Delfine noch schlauer sind als gedacht

Wer ist hier dumm? Leider müssen Menschen die Sprache der Delfine erst noch entschlüsseln.

Sind wir wirklich einzigartig? Einer Studie zufolge ist die Intelligenz von Delfinen und Walen mit der von Menschen vergleichbar. Damit geraten jahrhundertealte Überzeugungen ins Wanken.

„Macht’s gut und danke für den Fisch“. Diese Nachricht hinterlassen die Delfine den Menschen, bevor sie sich in Douglas Adams Romanserie Per Anhalter durch die Galaxis in eine andere Dimension beamen. Schon lange halten Forscher Delfine für sehr intelligent, aber in Adams humoristischer Welt sind sie schlauer als Menschen.

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dies gar nicht so weit hergeholt sein könnte. Wissenschaftler, die Walarten studieren (dazu zählen auch Delfine), haben herausgefunden, dass bei ihnen – wie bei Menschen – Sozialverhalten und Gehirngröße zusammenhängt.

Tatsächlich sprechen sich die Tiere mit Namen an. Sie klatschten und tratschen, betreuen den Nachwuchs von Freunden, bringen ihren Jungen das Jagen bei, helfen Menschen beim Fischen und vieles mehr. All das summiert sich zu einer Kultur, die unserer nicht unähnlich ist. Das einzige, was sie davon abhält, Städte zu bauen, so ein Forscher, ist dass „sie keine opponierbaren Daumen entwickelt haben“.

Solche verblüffenden Erkenntnisse gibt es immer häufiger. Jahrhundertelang betrachteten Menschen sich selbst als einzigartig komplex und intelligent, Tiere hingegen als primitive Lebewesen ohne nennenswertes Bewusstsein. „Tiere sind bloße Maschinen, nur der Mensch steht allein“, schrieb der Philosoph René Descartes im 17. Jahrhundert.

Zweihundert Jahre später wies Charles Darwin diese Sichtweise zurück: Alle Unterschiede zwischen Mensch und Tier seien „Grad, nicht Gattung“. Und Mitte des 20. Jahrhunderts konnten Zoologen nachweisen, dass menschliche Merkmale wie Sprache und Moral auch im Tierreich vorkommen.

Die Forschung hat sich lange auf Menschenaffen konzentriert, unsere nächsten Verwandten. Primatologen wissen, dass Affen und Schimpansen ein reiches Gefühlsleben besitzen, sowie ausgeprägte Fähigkeiten beim Gebrauch von Werkzeugen. Aber das Forschungsfeld „Tierisches Bewusstsein“ wächst schnell und bringt Schlagzeilen hervor wie „Sind Hühner bösartig?“ oder „Deine Katze kann Physik“.

Jetzt behaupten Wissenschaftler auch noch, Delfine seien im Grunde daumenlose Menschen. Sollten wir unseren Größenwahn ablegen?

Mensch gegen Tier

„Allerdings“, sagen die einen. Wir sind zwar die am weitesten entwickelte Spezies. Aber es wird immer deutlicher, dass vermeintlich menschliche Eigenschaften auch im Tierreich verbreitet sind. Was auch Sinn macht, haben wir doch dieselben Urahnen. Wir Menschen sind keine eigene Klasse.

„Unsinn“, meinen andere. Nimm diese Studie als Beispiel: Keine andere Art wäre in der Lage, sie durchzuführen – durch Zusammenarbeit, Logik, abstraktes Denken und die Beherrschung von Technologie. Es hat einen Grund, dass wir Delfine erforschen und nicht umgekehrt.

Du Entscheidest

  1. Ist es sinnvoll, die Intelligenz verschiedener Arten zu vergleichen?
  2. Sollten wir im Angesicht dieser neuen Forschungsergebnisse unsere Beziehung zu Delfinen überdenken?

Aktivitäten

  1. Liste fünf Wörter auf, die dir zum Stichwort „intelligent“ einfallen. Vergleiche deine Antworten mit denen deiner Klassenkameraden. Welche Wörter wurden am häufigsten genannt?
  2. Schreibe eine Geschichte aus der Perspektive eines Delfins, der beschließt, die Menschen zu studieren. Sie kann ernsthaft oder humorvoll sein, aber versuche dir vorzustellen, welche Schlüsse der Delfin wohl ziehen würde.

Manche Leute Sagen

„Es gibt nichts Lustigeres als das Tier im Menschen.“ Walt Disney“

Was meinst Du?

F & R

Was wissen wir?
Ein ausgewachsenes Menschenhirn wiegt etwa 1,4 Kilogramm, ungefähr so viel wie das eines Delfins. Mit 8 Kilogramm geht die Ehre des größten Gehirns der Welt jedoch an die Pottwale. Setzt man die Größe des Hirns allerdings ins Verhältnis zur Körpergröße, liegen Menschen und Delfine vorn.
Was wissen wir nicht?
Warum manche Arten größere Gehirne haben als andere. Da wir Millionen Jahre Evolution nicht in einem Labor nachstellen können, werden wir nie sicher sein können. Also überlegen wir uns Theorien. Weit verbreitet ist die Hypothese vom „sozialen Hirn“. Soll heißen: Arten, die in großen Sozialverbänden leben, brauchen mehr Intelligenz, um bei den ganzen Beziehungen den Überblick zu behalten. Die neue Studie scheint diese These zu bestätigen.

Wichtige Begriffe

Douglas Adams
( 1952-2001) Der englische Schriftsteller wurde mit satirischen, urkomischen Fantasy-Werken berühmt. Er war auch leidenschaftlicher Tierrechtler und hat den Kilimanjaro in einem Nashornkostüm bestiegen.
Neue Forschungsergebnisse
Die Studie bietet einen Überblick über aktuelle Forschungen an 80 verschiedenen Wal-Arten. Sie wurde in der Zeitschrift Nature Ecology & Evolution veröffentlicht.
Klatschen und tratschen
Delfine kommunizieren durch individuell zugeordnete Pfeiftöne. Manchmal pfeifen sie auch über einen Delfin, der nicht anwesend ist.
Kultur
Wissen und Gebräuche, die innerhalb einer sozialen Gruppe von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Opponierbare Daumen
Die meisten Primaten, Menschen eingeschlossen, können ihre Finger mit ihren Daumen berühren. So kann man Dinge greifen, was beim Essen oder Gebrauch von Werkzeugen ein großer Vorteil ist. Manche haben außerdem opponierbare Zehen, die bestens zum Klettern geeignet sind.
Schimpansen
Sie teilen rund 99% ihrer Erbinformation mit Menschen und sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich.