Vincent van Gogh, ein missverstandenes Genie?

„Er liebte Gelb“, schrieb Paul Gauguin, „diese Funken von Sonnenlicht entfesselten seine Seele.“

Geht Genialität Hand in Hand mit einem „Hauch von Wahnsinn“? Das war jedenfalls Aristoteles’ Glaube, und niemand dient als ein anschaulicheres Beispiel als van Gogh. Aber stimmt es wirklich?

Das letzte Mal, als es in London eine große Vincent-van-Gogh-Ausstellung gab, kamen so viele Leute, dass innerhalb von 5 Wochen die Holzdielen abgewetzt waren.

Das war 1947. Großbritannien hatte den 2. Weltkrieg gewonnen, und die Leute „hungerten nach Farbe“, wie eine Zeitung schrieb. Als die Ausstellung eröffnete, standen die Leute Schlange, „um Bilder anzugucken“.

Jetzt ist van Gogh zurück an der Tate Britain mit einer neuen großen Ausstellung, die sich auf seine Zeit in London konzentriert.

Als er Anfang 20 war, lebte van Gogh drei Jahre lang in der britischen Hauptstadt. Die Ausstellung zeigt, wie die Kultur, die er damals erlebte, seinen eigenen Stil beeinflusste. Sie präsentiert ihn als einen smarten, jungen Kaufmann — weit entfernt von dem Klischee des „verrückten Genies“, das so viele mit ihm assoziieren.

Das beruht auf seiner späteren Zeit, als er in Frankreich wohnte und sich der Malerei widmete. Die Story ist weit bekannt: Er litt an schweren Depressionen, schnitt sich ein Ohr ab, lebte eine Zeitlang in einer Nervenheilanstalt und beging letztendlich Selbstmord.

Jahrelang beschäftigten Kritiker sich damit, welchen Einfluss seine Krankheit auf seine Kunst hatte. 1910 nannte ein Kritiker seine Gemälde „die Delirien eines Verrückten“.

Aber seine Briefe zeigen, dass er in seinen dunkelsten Stunden überhaupt nicht malte. Im Gegenteil: die Malerei hielt ihn bei Verstand.

Gequältes Genie

Gibt es eine Verbindung zwischen Kreativität und seelischer Krankheit? Große Künstler wie Lord Byron, Virginia Woolf und van Gogh untermauern den Gedanken. Vielleicht fördern extreme Gefühle und unkonventionelles Denken die Kreativität.

Oder ist das ein gefährliches Klischee? Es gibt viele große Künstler, die nicht seelisch krank waren. Viele, die es sind, finden, dass es sie vom Arbeiten abhält. Van Gogh zum Beispiel, der seine Sonnenblumen in einer glücklichen Zeit malte. Er war nicht wegen seiner Probleme so genial, sondern trotz ihrer.

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Manche Leute Sagen

„Normalität ist wie eine gepflasterte Straße: Man kann gut darauf gehen, aber es wachsen keine Blumen auf ihr.“

Vincent van Gogh

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F & R

Was wissen wir?
Mindestens eine Studie hat belegt, dass Künstler in großen Gruppen von Menschen mit seelischen Problemen überrepräsentiert sind.
Was wissen wir nicht?
Warum das so ist. Macht Genialität seelische Krankheiten wahrscheinlicher? Oder suchen Menschen mit seelischen Problemen in der Kunst einen Weg, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen? Die Wissenschaftler sind sich uneinig, und es ist schwierig, es genau zu bestimmen. (Und es ist sowieso bei jedem Menschen anders.)

Wichtige Begriffe

Abgewetzt
Worn through.
Zeitung
Newspaper.
Standen die Leute Schlange
People queued.
Anfang 20
In his early 20s.
Klischee
Stereotype.
Verrückten Genies
Mad genius.
Malerei
Painting.
Widmete
Dedicated himself.
Litt an schweren Depressionen
Suffered from severe depression.
Nervenheilanstalt
Asylum.
Letztendlich
Eventually.
Delirien
Ravings.
Hielt ihn bei Verstand
Kept him sane.
Untermauern
Reinforce.
Unkonventionelles Denken
Thinking outside the box.