‘Vereinfachte’ Romeo-Version scharf kritisiert

Kritiker lehnten die moderne Kinoversion von Romeo und Julia ab, denn Drehbuchautor Julian Fellowes hat weite Teile des Originaltextes umgeschrieben, um ihn verständlicher zu machen.

Das berühmteste Liebespaar der Literatur auf der großen Leinwand! Der Trailer zu Shakespeares Romeo und Julia versprach eine traditionelle Produktion, mit Renaissance-Kostümen, schöner italienischer Szenerie und zwei hübschen Starlets in den Titelrollen. Alles sah nach einer treuen Adaption des berühmten Dramas aus.

Aber Shakespeare-Experten, die den Film sahen, merkten schnell, dass die Dinge nicht waren, was sie schienen. Auch wenn Handlung und Kulisse sind nicht vom Original unterscheiden, so wurde doch ein Großteil des Textes durch den preisgekrönten Drehbuchautor Julian Fellowes für die Filmversion umgeschrieben. ‘Die Sprache klingt immer noch hochtrabend’, sagt ein Akademiker, ‘aber es ist nicht Shakespeares Wortwahl – und das ist ein Problem.’

Die Veränderungen sind raffiniert, aber sie sind allgegenwärtig. An manchen Stellen hat Fellowes lange Passagen stark gekürzt, oder schwierige Wörter herausgestrichen. Woanders hat er versucht, die Dramatik offensichtlicher zu machen, indem er eigenen Sätze hinzufügte. ‘Julia, wenn dein Herz so voll ist wie meins, dann stell dir die Freude vor, die uns heute Nacht erwartet’, sagt Romeo an einer Stelle. ‘Oh, mein Rücken bringt mich um’, jammert die Amme in einer anderen eigenartig klingenden Szene.

Kritiker waren nicht begeistert. Sie nannten die Dialoge ‘hölzern’ und den Film ‘uninspiriert’. Doch der Drehbuchautor verteidigte seine Arbeit. Um das Originaltext zu begreifen, sagte er, ‘brauchst du eine Art Shakespeare-Studium … um die Sprache zu verstehen und zu analysieren und so weiter.’

Für Leute wie ihn, fuhr er fort, die den Vorteil einer ‘sehr teuren Ausbildung’ hatten, mag das okay sein – aber ‘es gibt unzählige, intelligente Menschen da draußen, die nicht ausgebildet wurden, sich mit Shakespeares Sprache auszukennen.’ Sein Romeo und Julia soll eben nicht nur für Gelehrte sein, sondern für jedermann.

Den Faden verlieren

Für echte Shakespeare-Fans werden Textänderungen im besten Fall immer unsinnig und im schlimmsten Fall sogar Frevel sein. Shakespeare wird als der größte Autor, den es jemals gab, gesehen. Denkt Julian Fellowes, der als Schöpfer der Fernsehserie Downton Abbey bekannt ist, tatsächlich seine Neufassung könnte Shakespeares unsterblichen Worte verbessern?

Doch es gibt auch Menschen, die Fellowes’ Bemühungen schätzten. Schließlich waren Shakespeares Stücke damals, als er sie schrieb, modern und leicht verständlich. Um diese Erfahrung von Shakespeares erstem Publikum – den einfachen Männern und Frauen, die sich in das überfüllte Globe Theatre drängten – wiederzubeleben, sollten die Stücke vielleicht in eine moderne Sprache umgeschrieben werden.

Du Entscheidest

  1. Würdest du dir Romeo und Julia lieber in der Originalversion oder in der Neufassung ansehen?
  2. Was ist besser: ein brillantes Stück, das nur wenige Menschen verstehen oder ein einigermaßen gutes Stück, das alle verstehen?

Aktivitäten

  1. Gruppenarbeit: Schreibt eine kurze Shakespeare-Passage für ein modernes Publikum um, dann führt es vor der Klasse auf. Wie habt ihr das Verständnis verbessert, ohne dass die Poesie auf der Strecke blieb?
  2. Nimm ein modernes Gedicht, Stück oder einen Song und übersetz es oder ihn in Shakespeares’ Sprache. Was glaubst du, hätte ein Shakespearsches Publikum darüber gedacht?

Manche Leute Sagen

„Die Menschen denken, Shakespeare ist gut, nur weil er alt ist.“

Was meinst Du?

F & R

Warum beschäftigen sich Schüler heute immer noch mit einem 400 Jahre alten Dramatiker?
Nun, die Stücke sind natürlich sehr gut. Die Poesie ist wunderschön, die Charaktere sind facettenreich, und sie geraten in Zwangslagen, die es auch heute noch gibt. Die Welt hat sich in den letzten 400 Jahren geändert, aber die menschliche Gefühle sind gleich geblieben.
Trotzdem muss es doch andere Dramatiker geben, über die wir etwas lernen sollten!
Die gibt es. Die Wahrheit ist, dass jeder Shakespeare studiert, weil jeder Shakespeare studiert. Seine Stücke sind ein wesentlicher Teil der englischsprachigen Kultur geworden. Wenn man sich mit Shakespeare beschäftigt, ist man Teil eines langen, kritischen und kulturellen Zwiegesprächs, das bis heute andauert.

Wichtige Begriffe

Renaissance
Die Renaissance, zwischen etwa 1350 bis 1600, war eine Zeit der rasanten Veränderungen in Europa. Damals machten Architektur, Wissenschaft und Künste riesige Fortschritte. Der Name ist abgeleitet vom französischen ‘Wiedergeburt’ – die ‘Wiedergeburt’ der Zivilisation nach den dunklen Jahrhunderten, die auf das Ende des Römischen Reiches (1000 Jahre zuvor) folgten.
Italien
Die Renaissance begann in den reichen Handelsstädten Italiens. Dichter wie Petrarca und Boccaccio übten einen großen Einfluss auf englische Dramatiker aus. Romeo und Julia spielt im italienischen Verona.
Globe Theatre
Das Globe Theatre war eines der ersten Theaterhäuser, die gebaut wurden – ein rundes, hölzernes Auditorium am südlichen Ufer der Themse. Ein Großteil des Publikums sah die Stücke damals stehend in überfüllten Rängen. Die Zuschauer waren oft laut, spuckten, schrien, tranken und prügelten sich sogar, während das Schauspiel aufgeführt wurde. Das originale Globe Theatre wurde in einem Feuer 1613 zerstört, 1990 errichtet man einen Nachbau. Dort wird Shakespeare immer noch aufgeführt.