Tragödie im Mittelmeer: Flüchtlingsboote kentern

Ein Boot voller Migranten in der Nähe von Lampedusa, Ort einer der Tragödien von letzter Woche © Getty Images

Zweimal innerhalb weniger Tage sind kleine, mit Flüchtlingen gefüllte Boote gekentert und haben die Hälfte ihrer menschlichen Fracht verloren. Wie kommt es so weit und was kann man tun?

Vergangenen Freitag geriet ein kleines Fischerboot an der türkischen Westküste in stürmische See. Das alte, morsche und überladene Boot kenterte. Seine Ladung: Hundert illegale Immigranten aus kriegszerrissenen Ländern des Mittleren Ostens.

Nur die besten Schwimmer konnten sich auf eine nahe Insel retten, der Rest – beinahe 60 Menschen, die Hälfte von ihnen Kinder – starben.

24 Stunden später und 700 Meilen weiter westlich kam es zu einer erschreckend ähnlichen Tragödie. Diesmal waren die Flüchtlinge Afrikaner und viele von ihnen hatten bereits hunderte von Meilen zurückgelegt, bevor sie an der Tunesischen Küste angekommen waren, um Richtung Europa in See zu stechen. 54 wurden gerettet, als ihr Boot in der Nähe von Sizilien Schiffbruch erlitt. Dutzende sind ertrunken.

Dies sind keine Einzelfälle. Amnesty International zufolge ertranken voriges Jahr allein im Mittelmeer 1500 Asylwerber bei dem verzweifelten Versuch, die europäische Küste zu erreichen. Auch die Gewässer um Australien haben allein im August das Leben von hunderten Immigranten aus Südostasien gefordert.

Trotz der furchtbaren Verhältnisse auf den rostigen Metallbooten, auf denen Menschen wie Schlachtvieh zusammengedrängt werden, bezahlen jedes Jahr hundertausende Menschen unglaubliche Summen, um die Reise riskieren zu können. Warum?

Einige werden von autoritären Regierungen verfolgt, andere fliehen vor Krieg, Hunger oder Naturkatastrophen. Was auch immer diese Reisenden bewogen hat, ist schlimm genug, um alles zurückzulassen.

Wenn sie in Europa oder Australien ankommen, werden die Flüchtlinge in Auffanglagern festgehalten. Diejenigen, die bei einer Rückkehr akuter Gefahr ausgesetzt sind, können um Asyl ansuchen. Allerdings gibt es sehr strenge Auflagen – in Großbritannien werden mehr als 60% der Asylwerber wieder zurückgeschickt.

Kein Platz in der Herberge?

Für Flüchtlingsorganisationen ist die Situation beschämend. Diese Menschen sind hunderte von Meilen unter schlimmsten Entbehrungen gereist, in der Hoffnung auf einen sicheren Neustart. Wenn sie allerdings ankommen, werden sie von den Regierungen eingesperrt oder einfach abgewiesen. Dies ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Politiker hingegen fragen nach der Alternative. Die Welt ist schlecht; hunderte Millionen Menschen sind jeden Tag Leid und Gefahr ausgesetzt. Wir können sie nicht alle aufnehmen, sagen sie; manche müssen einfach abgewiesen werden.

Du Entscheidest

  1. Sollte es einfacher oder schwieriger werden, Asyl zu bekommen?
  2. Haben Regierungen gegenüber Bürgern anderer Nationen moralische Verpflichtungen?

Aktivitäten

  1. Stell dir vor, du bist ein Asylwerber, der gerade nach einer langen und gefährlichen Reise in einem westlichen Land angekommen ist. Schreib einen Bericht über deine Reise.
  2. Entwirf eine Grundrechtscharta für Asylwerber in einem fremden Land. Hätten sie dieselben Rechte wie Staatsbürger, oder gibt es Unterschiede?

Manche Leute Sagen

„Ich würde unter keinen Umständen mein Heimatland verlassen.“

Was meinst Du?

Wichtige Begriffe

Kriegszerrissene Ländern
Viele der Asylwerber kommen aus Syrien, wo gerade ein blutiger Bürgerkrieg herrscht und eine Flüchtlingskrise in den Nachbarländern zur Folge hat. Andere kommen aus dem Irak, wo Gewalt auch neun Jahre nach der amerikanischen Invasion noch weitverbreitet ist, oder aus Palästina, wo die Spannungen zwischen Israelis und Arabern einen ständigen Unruheherd bedeuten.
Asylwerber
Immigranten (oder Migranten) sind all jene, die ihr Heimatland verlassen haben, um anderswo eine Heimat zu suchen, egal aus welchen Gründen. Asylwerber sind Menschen, die einen Antrag auf Niederlassung in einem anderen Land gestellt haben, da sie sich in ernsthafter Gefahr befinden. Die Bezeichnung „Flüchtling“ gilt theoretisch nur für Personen, deren Asylantrag angenommen wurde, wird aber oft fließend verwendet.