Spitzenwissenschaftler fordern Energiewende

Storm der Zukunft: Windpark bei Faringdon, Oxfordshire, Vereinigtes Königreich © PA

Laut neuestem Umweltbericht braucht die Welt dringend eine Energiewende, um den Klimawandel zu bremsen. Wenn wir jetzt handeln, wird es nicht teuer. Was aber, wenn es schon zu spät ist?

Wir schreiben das Jahr 2100. Unter der Skyline von New York überschwemmt verseuchtes Wasser die Straßen. Von London bis Hong Kong hat der ansteigende Meeresspiegel ganze Städte verwüstet. Durch steigende Temperaturen ist ganz Europa von Malariamücken übersäht. Die Böden sind unkultivierbar geworden, weltweit leiden Milliarden Menschen an Hunger.

Dieses Horrorszenario könnte laut Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) eintreten, wenn der Klimawandel ignoriert wird. Laut neuestem IPCC-Bericht wird bis zum Ende des Jahrhunderts eine massive Energiewende nötig sein, um eine Erderwärmung von mehr als den erträglichen 2°C zu verhindern.

Interessanter noch sind die erstmals niedrigen Kosten des Unterfangens, obwohl viele noch fürchten, dass ein Verzicht auf die zwar unsaubere aber billigere Kohle- und Öl-Energie unseren bisherigen Lebensstandard beeinträchtigen würde. Laut IPCC würde ein Umstieg das Weltwirtschaftswachstum um lediglich 0,06% belasten. Es würde also buchstäblich ‘nicht die Welt kosten’, den Planeten zu retten.

Je länger man aber wartet, desto teurer und komplizierter wird es. So könnten in Zukunft drastische Maßnahmen wie die direkte Absaugung von CO2 aus der Atmosphäre nötig werden, obwohl die Technologie dafür in der Praxis noch nicht entwickelt wurde.

Laut IPCC käme der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Wasser-, Wind- und Solarenergie bis 2030 billiger, auch die Technologie dafür wäre gegeben.

Die Regierungen Großbritanniens und der USA sind sich einig, dass die Lage weltweit ernst zu nehmen ist, es gibt aber auch Menschen wie den einflussreichen Wissenschaftler James Lovelock, die sagen, dass eine Bekämpfung des Klimawandels Unfug sei, weil der Klimawandel einen wichtigen Impuls für einen neuen Lebensstil geben könnte. Anhänger dieser Idee meinen, dass die Erderwärmung schon zu weit fortgeschritten ist und man sich auf den Bau von Megastädten mit Klimaanlagen und riesigen Schutzdämmen einstellen sollte.

Städte als Ausweg

In der Vergangenheit sind internationale Bemühungen für Klimaschutz am Kostenfaktor gescheitert, der neueste IPCC-Bericht legt jedoch nahe, dass gerade jetzt der beste Moment ist, die Welt kostensparend zu retten. Jede Verzögerung würde die Kosten vergrößern und die Erfolgschancen mindern.

Dennoch gibt es Stimmen wie jene von Lovelock, die statt einer (sinnlosen) Energiewende eher eine Änderung des Lebensstils fordern. Da die Hälfte der Weltbevölkerung ohnehin in Städten lebt, müsste man eben diese besser absichern. Außerdem sei noch nicht bekannt, ob die Folgen des Klimawandels tatsächlich nur negativ sein werden, man müsse also bereit sein, den Klimawandel als Chance auf eine alternative Lebensweise zu sehen.

Du Entscheidest

  1. Sollten Regierungen mehr für den Umweltschutz, oder für den Bau widerstandsfähiger Städte tun?
  2. Da die Industrieländer viel mehr Treibhausgase produzieren als die Entwicklungsländer, sollten sie auch mehr gegen den Klimawandel tun, oder?

Aktivitäten

  1. Teilt euch in Gruppen auf und zeichnet einen Plan einer Stadt, die dem Klimawandel widerstehen kann. Was könnte eine Stadt brauchen, um in einer viel wärmeren Welt zu bestehen. Vergleicht euren Plan mit anderen Gruppen.
  2. Schaue dir das Video in der Rubrik ‘Werde Experte’ an. Stelle dir vor, du würdest im Jahre 2100 leben. Schreibe einen Tagebucheintrag, als ob du entweder in einer von Dürre, oder von Hochwasser erfassten Region leben würdest.

Manche Leute Sagen

„Wir sollten den Klimawandel nicht als Bedrohung sehen, sondern als Herausforderung.“

Was meinst Du?

F & R

F: Was habe ich vom IPCC-Bericht?
Der Bericht wurde in Zusammenarbeit von 1.200 Experten verfasst und von 194 Regierungen anerkannt, daher hat er viel Gewicht. Viele hoffen, dass das Argument einer günstigen Möglichkeit des Klimaschutzes die Regierungen anspornen wird, mehr zu tun. Das bedeutet umweltgerechtere Politik, aber auch eine Umstellung unseres Transportwesens und unserer Lebenskosten.
F: Ist man in Städten wirklich besser vor dem Klimawandel geschützt?
Nicht unbedingt. Da viele der Städte weltweit direkt an Flüssen oder Flussdeltas liegen, sind sie im kommenden Jahrhundert massiv anfällig für Hochwasser, auch die Küstenstädte sind durch Unwetter bedroht. James Lovelock schlägt geschützte Städte vor, welche den künftigen Klimabedingungen standhalten können.

Wichtige Begriffe

IPCC
Der Weltklimarat untersucht als Teil der Vereinten Nationen (UNO) Auswirkungen von Klimaveränderungen. Durch einen Fehler im Bericht von 2007, welcher besagte, dass die Gletscher im Himalaya bis 2035 abschmelzen könnten, verlor der Rat leider viel an seiner Glaubwürdigkeit.
2°C
Die international vereinbarte annehmbare Obergrenze der Erderwärmung bis 2100, obwohl auch das für viele Gruppierungen wie das Climate Emergency Institute zu hoch ist. Der IPCC befürchtet bis zum Jahr 2100 Temperaturanstiege um 3,7°C – 4,8°C, wenn nichts getan wird.
0,06%
Das Weltwirtschaftswachstum zeigt die Stärke der weltweiten Wirtschaft. Der IPCC sagt voraus, dass das jährliche Wachstum 1,3-3% betragen wird, wogegen die jährlichen Kosten für den Umstieg auf erneuerbare Energien nur 0,06% davon betragen.
Entwickelt
Durch die Technologie der CO2-Abscheidung und -Speicherung wird das bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entstandene CO2 abgesaugt und unterirdisch gelagert. Diese Technologie ist noch in der Entwicklung und es ist nicht sicher, ob sie großflächig eingesetzt werden kann.
James Lovelock
Berühmter Wissenschaftler, Umweltschützer und Begründer der Gaia-Hypothese, laut welcher lebende wie nicht lebende Teile der Erde ein komplexes System bilden, das wie ein Organismus funktioniert. Der bereits 94-jährige Lovelock ist bekannt für seine unkonventionellen Ideen.
Lebensstil
Lovelock würde zukünftige Städte nach natürlichem Vorbild ähnlich Termitenhügeln oder Ameisenhaufen gestalten.