“Schlächter von Liberia” schuldig gesprochen

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat den ehemaligen Warlord Charles Taylor wegen seiner Schreckenstaten in einem der blutigsten Bürgerkriege Afrikas verurteilt.

Edward Conteh erinnert sich gut an den Tag, an dem er seinen Arm verlor. Es war im Jahre 1999, der Bürgerkrieg in Sierra Leone hatte seinen Höhepunkt erreicht und Conteh und seine Kinder hatten sich seit drei Tagen vor den Rebellen der RUF versteckt. Da sie keine Nahrung und wenig Wasser hatten, musste Conteh das Versteck verlassen.

Er kam nicht weit. Die Rebellen warfen ihn zu Boden und hielten ihn fest. Mit fünf Schlägen einer stumpfen Axt trennten sie seine linke Hand über dem Handgelenk ab und ließen ihn blutend zurück. Später erfuhr er, dass er eines der glücklicheren Opfer war.

Aber heute – wie Tausende andere, die während des elfjährigen Konflikts verstümmelt wurden – feiert Conteh. In Den Haag wurde der liberianische Warlord Charles Taylor von einem von der UNO unterstützten Sondertribunal schuldig gesprochen. Die Liste seiner Verbrechen ist lang: Vergewaltigung, Massenmord, Versklavung, Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten, Plünderung und terroristische Akte.

Charismatisch und gut erzogen, mit einem Abschluss in Betriebswirtschaft an einem amerikanischen College, war Charles Taylor einst ein vielversprechender junger Aktivist für mehr Demokratie in seiner Heimat Liberia gewesen. Aber als die Politik scheiterte, wandte er sich der Gewalt zu und rüstete mit Hilfe des lybischen Diktators Muammar Gaddafi eine Rebellenarmee aus.

Nach einem langen und blutigen Bürgerkrieg setzte sich Taylor als Diktator durch. Sein Slogan während des Wahlkampfes 1997 lautete: „Er tötete meine Mutter, er tötete meinen Vater, aber ich werde für ihn stimmen.“

Taylor erwies sich nicht nur als brutaler Herrscher, sondern unterstützte auch die Invasion von Sierra Leone durch die RUF (Revolutionary United Front). Geführt von Taylors Freund Fodoy Sankoh, führte die RUF ihren Feldzug mit Vergewaltigung, Mord und Amputationen. Taylor war mitverantwortlich für einige der schlimmsten Verbrechen in der jüngeren afrikanischen Geschichte. Nun wird er endlich dafür bezahlen.

Gute Nachrichten

Einigen Lesern aus dem Westen wird die Geschichte von Taylors Leben nur allzu bekannt vorkommen. Im Laufe des letzten Jahres waren die Nachrichten aus Afrika mit Berichten über den Krieg an der Elfenbeinküste, Hungersnöte, Chaos in Somalia sowie über die Jagd nach dem Massenmörder Joseph Kony gefüllt. Aufgrund dieser Nachrichten gilt Afrika für Viele immer noch als „Der dunkle Kontinent.“

Aber Afrikakenner sagen, dass dieser Eindruck täuscht. Die wichtigste Nachricht in Bezug auf die Verurteilung von Charles Taylor ist, dass Taylor einer der letzten Diktatoren auf dem Kontinent war. Das wahre Afrika, von dem so selten berichtet wird, ist ein Ort ökonomischen Wachstums, zunehmender politischer Freiheit und des gesellschaftlichen Wandels.

Du Entscheidest

  1. Wie sieht Afrikas Zukunft aus?
  2. Warum kommen mehr schlechte als gute Nachrichten aus Afrika?

Aktivitäten

  1. Macht in der Klasse ein Brainstorming zu gängigen Begriffen, die mit Afrika verbunden werden. Wie aussagekräftig sind diese Begriffe?
  2. Informiere dich und schreibe eine kurze Reportage zu einem positiven Ereignis in Afrika.

Manche Leute Sagen

„Heute schickt Europa Hilfe nach Afrika. In fünfzig Jahren wird es umgekehrt sein!“

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Wichtige Begriffe

Feiert
Zufällig ist heute (27.04.) auch Nationalfeiertag in Sierra Leone.
Den Haag
Die Stadt Den Haag ist nicht nur Sitz der holländischen Regierung, sondern darüber hinaus berühmt für die über 150 ansässigen internationalen Organisationen, wie den Internationalen Strafgerichtshof und den Internationalen Gerichtshof. Charles Taylor wurde von einem speziellen, von der UNO unterstützten Sondertribunal verurteilt.
Liberianische
Liberia (3,8 Millionen Einwohner) ist ein schmales Land in Westafrika, das an Sierra Leone, Guinea und die Elfenbeinküste grenzt. Es wurde 1822 von ehemaligen Sklaven aus den USA gegründet – daher der Name.
Muammar Gaddafi
Kolonel Muammar Gaddafi war von 1979 bis zu seinem Sturz und seiner Ermordung im letzten Jahr Herrscher von Lybien. Er war bekannt dafür, „antikoloniale“ Regime im subsaharischen Afrika zu unterstützen.
Joseph Kony
Kony ist einer der gefürchtetsten noch lebenden Warlords Afrikas, der in den abgeschiedenen Grenzregionen zwischen Kongo und Uganda operiert. Zu Beginn dieses Jahres hat eine Internetkampagne gegen seine Schreckenstaten für ein gewaltiges Echo gesorgt. Ugander beschwerten sich aber, da das Internetvideo die Situation in ihrem Land nicht richtig wiedergab und falsche Maßnahmen forderte.