‘Krisengipfel’ – Griechenland trifft Deutschland

Auf in den Kampf: Angela Merkel und Alexis Tsipras unmittelbar vor den Verhandlungen © PA

Angesichts der drohenden Staatspleite Griechenlands traf der griechische Premierminister die deutsche Kanzlerin zu Gesprächen. Soll das Land einfach so aufgeben und die Eurozone verlassen?

Griechenland geht das Geld aus. Ohne die Hilfe seines größten Gläubigers Deutschland wäre das Land innerhalb eines Monats pleite. Aus diesem Grund war auch das vergangene Treffen der beiden Nationen in Berlin sehr angespannt.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will Griechenland nicht mehr Geld leihen, solange die Griechen ihre öffentlichen Ausgaben nicht drastisch kürzen. Genau das will der griechische Premierminister Alexis Tsipras als Chef der linksradikalen Syriza Partei aber nicht.

Schon seit 2010, als die enormen Staatsschulden Griechenlands bekannt wurden, steht das Land vor dem Bankrott. Es wurde ein 240 Mrd. € Rettungspaket geschnürt, zusätzlich forderten die reichsten Nationen Europas und die internationalen Finanzinstitute wie die Europäische Zentralbank, dass Griechenland drastische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen einführt, um die weitere Verschuldung zu stoppen.   

Fünf Jahre lang hielt sich die griechische Regierung an diese Vereinbarung. Dieses Jahr aber forderten die Wähler eine Kursänderung. Die linke Syriza Partei versprach, die Sparmaßnahmen zu beenden und die Bedingungen des Rettungsschirmes neu zu verhandeln – und wurde prompt gewählt.

Tsipras argumentiert, dass er das Geld nicht umsonst fordert. Er hatte einige moderate Kürzungen versprochen und Pläne zur Bekämpfung von Korruption und Steuerhinterziehung vorgelegt. Das ist jedoch den Gläubigern viel zu wenig.

Die Lage ist seither angespannt. Tsipras erwähnte sogar den Zweiten Weltkrieg und forderte von Deutschland Reparationen. Damit war im Vorfeld der Verhandlungen auch von Erpressung die Rede.

Trotzdem gaben sich beim Treffen beide Seiten umgänglich, obwohl Experten eine baldige Lösung ausschließen. Ein Journalist meinte: ‘Griechenland gehen Zeit und Geld aus.’ Somit wird jeden Tag wahrscheinlicher, dass Griechenland die Eurozone verlässt.

Unglücklich darüber ist aber nicht jeder, denn laut einer kürzlichen Umfrage sind über 50% der Deutschen für einen Ausstieg Griechenlands.

Griechische Tragödie

Die Konsequenzen eines sogenannten ‘Grexits’ wären für Griechenland katastrophal. Die neue Währung würde rasch an Wert verlieren und jeden Griechen praktisch Übernacht deutlich ärmer machen; Unternehmen würden das Land verlassen und der Lebensstandard würde dramatisch sinken. In der Zwischenzeit würde die Eurozone selbst eine Ära der Ungewissheit und des Aufruhrs erleben. Daher meinen viele mit Recht, dass ein solches Szenario unbedingt zu vermeiden sei.

Manche glauben aber, dass es ohnehin keine andere Wahl mehr gibt und die Verhandlungen das Unausweichliche nur hinauszögern. Griechenland soll eben in den sauren Apfel beißen, denn manche Dinge können einfach nicht gelöst werden.

Du Entscheidest

  1. Soll Griechenland die Eurozone verlassen?
  2. ‘Keine Meinungsverschiedenheit ist so schwierig, dass sie sich nicht lösen lässt.’ Stimmst du dem zu?

Aktivitäten

  1. Teilt euch in Zweiergruppen auf und simuliert ein Verhandlungsgespräch. Jede Gruppe beginnt mit 100 Punkten und muss sich darüber einigen, wie diese untereinander zu verteilen sind. Während ein Partner eine Aufteilung vorschlägt, muss der andere Partner entweder zustimmen oder ablehnen. Ablehnen bedeutet aber, dass keiner der Partner etwas bekommt. Vergleicht die Ergebnisse innerhalb eurer Klasse.
  2. Stelle dir vor, du wärst als Journalist bei der Pressekonferenz zwischen Merkel und Tsipras dabei gewesen. Welche Fragen hättest du ihnen gestellt?

Manche Leute Sagen

„Der Euro ist viel mehr als eine einfache Währung.’Angela Merkel“

Was meinst Du?

F & R

Wie konnte den Griechen das nur passieren?
2012 war der Staat mit ca. 304 Mrd. € verschuldet. Die Krise hat jedoch mehrere Gründe. Schon vor dem EU-Beitritt gab das Land mehr aus, als es einnahm und kämpfte dazu mit Steuerhinterziehung. Damit stieg die Staatsverschuldung soweit an, dass auch die Regierung ihre Kredite nicht mehr rückzahlen konnte und um Hilfe bitten musste.
Wie lauten Griechenlands Reformversprechen?
Um die EU-Gläubiger zufriedenzustellen, müssen zwingende Reformen her. Gleichzeitig muss man auch die eigenen Wahlversprechen einhalten. Im Februar 2015 verpflichtete man sich zu Reformen, um einen viermonatigen Rettungsschirm zu erhalten. Darunter wurde die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Korruption versprochen, um die Regierung effizienter zu machen.

Wichtige Begriffe

Kanzlerin
Merkel wird als das tatsächliche Oberhaupt der EU angesehen, quasi als ‘Sparkönigin’ und strenge ‘Mutterfigur’ Europas.
Gläubigern
Ein Gläubiger ist jemand, der jemand anderem (dem Schuldner) Geld geliehen hat. In diesem Fall haben die Länder der Eurozone das Geld Griechenland geliehen.
Reparationen
Tsipras schlug vor, dass Deutschland für die Besetzung durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg Reparationszahlungen leisten soll. Die deutsche Regierung weigerte sich, diese Angelegenheit zu diskutieren und argumentierte, dass dies bereits vor Jahrzehnten beglichen wurde. Die Hälfte der Deutschen will den Griechen nicht mehr aushelfen, obwohl man das auch mit der deutschen Auffassung des Wortes ‘Schuld’ erklären könnte. Für die Deutschen hat das Wort ‘Schuld’ eine doppelte Bedeutung, denn es bezeichnet sowohl Schuld als Geldschuld als auch Schuld im Sinne von schuldig für etwas sein.
Umgänglich
Merkel sagte, dass die Gespräche im ‘Geiste einer loyalen Zusammenarbeit’ abgehalten wurden, während Tsipras die Kanzlerin vor ihren schärfsten Kritikern als ‘sehr positive Person’ verteidigte.
Eurozone
Die Eurozone besteht aus EU-Mitgliedsstaaten, die ausschließlich den Euro als Währung benutzen.