Killer von Toulouse bei Polizeiangriff erschossen

Ein Amateurvideo aus dem Jahr 2010 zeigt vermutlich Mohammed Merah.

Der Mann der verdächtigt wird, Soldaten, einen Rabbi und drei kleine Kinder ermordet zu haben, ist nach einer 32-stündigen Belagerung getötet worden. Eine heftige politische Debatte ist die Folge.

Eine der größten Menschenjagden in Frankreichs Geschichte kam gestern zu einem blutigen Ende. Nachdem sie die Spur des Verdächtigten bis zu einem Apartment am Rande von Toulouse verfolgt hatten, starteten Spezialeinheiten der Polizei einen Angriff. Resultat: Fünf Polizisten sind verletzt und der gesuchte Mann tot.

Mohammed Merah, ein 23jähriger Franzose algerischer Herkunft, ist vermutlich für die drei Schießereien verantwortlich, die das Land in Atem gehalten haben. Letzte Woche tötete Merah drei Soldaten mit nordafrikanischen Wurzeln.

Am Montag verübte er einen Anschlag auf eine jüdische Schule und tötete einen Rabbi und drei Kinder. Sein jüngstes Opfer war gerade vier Jahre alt.

Internet- und Telefonprotokolle sowie der mehrmals gesehene rote Motorroller ermöglichten es den Kriminalbeamten, die Wohnung ausfindig zu machen, in der er sich versteckte.

Die ersten Beamten, die an die Tür des Verdächtigen klopften, wurden von einem Kugelhagel begrüßt. Erst 32 Stunden später drangen schwerbewaffnete Polizisten in das Apartment ein. Sie arbeiteten sich von Raum zu Raum vorwärts, als Merah plötzlich aus dem Badezimmer stürmte, wild um sich feuerte und aus dem Fenster sprang.

Die offizielle Stellungnahme: Merah wurde von der Kugel eines Scharfschützen in den Kopf getroffen und starb noch vor dem Aufprall.

Die politischen und sozialen Hintergründe von Merahs Horrortat werden gerade erst enthüllt. Vor seinem Tod verkündete er den Polizeiverhandlern noch stolz, ein Dschihadist und Al-Qaida Mitglied zu sein.

Auf Frankreichs fünf bis sechs Millionen Muslime wirft ein solcher Lebenslauf ein schlechtes Bild. Immigration, vor allem aus dem muslimischen Nordafrika, war auch zuvor schon eines der heißesten Themen in Frankreichs bevorstehendem Präsidentschaftswahlkampf gewesen. Merahs Taten – und seine fundamentalistische Auslegung des Islam – werden die Debatte wohl verschlimmern.

Fäuste oder offene Arme?

Die Fronten sind eindeutig. Für Vertreter des rechten Flügels sind Merahs Gewalttaten Beweis für die Gefahren des Multikulturalismus. Französische Werte müssen vehementer verteidigt werden. Hassprediger, radikale Internetuser und Terror-Rekrutierer müssen aktiv verfolgt werden – und aus der Gesellschaft, die sie so sehr hassen, entfernt werden.

Vom linken Flügel hört man genau das Gegenteil. Eine Atmosphäre von Verdächtigung und offener Feindschaft drängt junge Muslime nur zu Verbrechen und Gewalt. Maßnahmen gegen die nordafrikanische Gemeinschaft werden die Lage weiter verschlimmern.

Du Entscheidest

  1. Wie sollte die französische Regierung auf Merahs Taten reagieren?
  2. War Mohammed Merah verrückt oder böse? Kann man auch beides zugleich sein?

Aktivitäten

  1. Was hat Merah zu seinen Anschlägen veranlasst? Notiere die fünf wichtigsten Gründe und vergleiche sie dann mit den anderen in der Klasse.
  2. Schreib eine kurze Todesanzeige für Mohammed Merah.

Manche Leute Sagen

„Mohamed Merah war einfach verrückt. Politik und Religion haben nichts damit zu tun.“

Was meinst Du?

Wichtige Begriffe

Algerischer Herkunft
Algerien, Tunesien und Marokko, die Länder des nordafrikanischen Maghreb, sind allesamt ehemalige französische Kolonien und verwenden Französisch immer noch als Amtssprache. Viele der französischen Einwanderer kommen aus diesen Ländern.
Wild um sich feuerte
Merahs Waffenarsenal, das über bewaffnete Überfälle finanziert wurde, umfasste ein AK-47 Sturmgewehr, eine Uzi, sowie kleinere Handfeuerwaffen. Ein Beamter am Tatort sagte, dass er noch nie so viel Gewalt gesehen hatte.
Fünf bis sechs Millionen
Das französische Gesetz verbietet es der Regierung, genaue Informationen über Religion und ethnische Zugehörigkeit zu erheben. Vor dem Gesetz sind alle französischen Bürger gleich, unabhängig von ihrem Hintergrund. Daher gibt es auch keine offiziellen Zahlen für die muslimische oder nordafrikanische Bevölkerung in Frankreich.