Italien von ‘apokalyptischem’ Erdbeben betroffen

Erschüttert: Die Bewohner von Amatrice fürchten, dass noch Menschen unter den Trümmern liegen. © PA

Am frühen Morgen wurden die Italiener in den Apenninen von einem schweren Erdbeben überrascht. Italien hat schon viele solcher Katastrophen erlebt. Warum sind sie so schwer vorherzusagen?

Die Erde in Mittelitalien begann um 3.36 Uhr zu beben. In mehr als 20 Sekunden brachte ein Beben der Stärke 6,2 die Häuser im Dorf zum Einsturz. Mindestens 80 Nachbeben gab es in den nächsten Stunden und es könnten weitere folgen. ‘Unsere Straßen sind abgeschnitten’, sagt der Bürgermeister von Amatrice, einer alten Stadt in den Apenninen nahe dem Epizentrum des Bebens. ‘Die halbe Stadt ist zerstört’, trauert er.

Nothilfeteams retteten so viele Menschen wie möglich. Bis jetzt, heißt es von offizieller Stelle, hat das Beben wenigstens 247 Leben gefordert und Hunderte obdachlos gemacht.

Der italienische Premierminister Matteo Renzi fand tröstende Worte: ‘Wenn die Dinge nicht gut laufen, zeigt ganz Italien seine beste Seite’, sagt er. ‘Wir werden niemanden im Stich lassen.’

Es ist nicht Italiens erstes Erdbeben – Tausende von Leben und Häusern sind über die Jahrhunderte verloren gegangen.

Denn das Land liegt an der Naht zwischen der afrikanischen und eurasischen Kontinentalplatte, das macht es extrem anfällig für Beben, wenn die Erde sich bewegt. Gleichzeitig, sagen Wissenschaftler, öffne sich im Westen das Tyrrhenische Meer und ziehe so die Berge der Apenninen, wo das jüngste Unglück stattfand, auseinander.

Auch wenn Italien fast jeden Tag kleine Erdbeben erlebt, kann nicht vorhergesagt werden, wann eine Katastrophe bevorsteht.

Das verursacht großes Leid. Als im Jahr 2009 ein ähnliches Erdbeben 309 Menschen tötete, mussten sechs Wissenschaftler ins Gefängnis, weil sie den Bewohners zuvor gesagt hatten, sie könnten unbesorgt sein. Dabei hatten sie ihren Rat nach bestem Gewissen gegeben; denn die vorangegangenen Beben deuteten sogar darauf hin, das ein großes Beben weniger wahrscheinlich ist.

Das Problem beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrhunderten. Sie haben Radon-Stände, elektromagnetische Wellen und sogar ungewöhnliches Verhalten bei Tieren studiert. Aber nichts davon ist verlässlich.

Seismische Wellen

Wir dürfen nicht aufgeben, sagen Wissenschaftler. Theorien aufstellen, verwerfen und etwas Neues probieren gehört zur Geschichte fast aller wissenschaftlichen Errungenschaften. Es ist frustrierend, falsch zu liegen, doch jedes Mal kommen wir der Antwort etwas näher. Eines Tages werden wir sie knacken – und Tausende Leben können gerettet werden.

Andere sind verunsichert. Der Grund, warum wir keine verlässlichen Anzeichen für Naturkatastrophen finden, ist vielleicht der, dass es einfach keine gibt. Stattdessen sollten Forscher nach Möglichkeiten suchen, wie man mit Erdbeben umgeht, besonders in anfälligen Regionen. Viele Leben wurden dank neuer erdbebensicherer Gebäude, etwa in Japan, gerettet. Wir sollten dieses Wissen auch bei älteren Gebäuden nutzen.

Du Entscheidest

  1. Sollten sich Seismologen eher auf die Vorhersage von oder den Umgang mit Erdbeben konzentrieren?
  2. Werden Erdbeben für uns immer ein Mysterium bleiben?

Aktivitäten

  1. Zeichne eine Karte von Italien, die zeigt wo und warum das Land so anfällig für Erdbeben ist.
  2. Schau dir das Video von The Economist unter ‘Become An Expert’ an. Dann entwirf dein eigenes erdbebensicheres Gebäude.

Manche Leute Sagen

„In der Wissenschaft gibt es keine misslungenen Experimente.“

Was meinst Du?

F & R

Muss ich mir Sorgen wegen Erdbeben machen?
Das hängt davon ab, wo du lebst. In Großbritannien sind sie selten, und nicht sehr stark. Dort, wo tektonische Plattem aufeinandertreffen – etwa in Japan, Nepal und Indien – ist das Risiko größer. Die Gefahr hängt auch von der Infrastruktur der Stadt ab; reichere Länder können ihre Gebäude erdbebensicher machen.
Hätte mehr getan werden können, um Italien zu schützen?
Es war Glück, dass das Beben in der Nacht passierte, die Opferzahlen wären noch höher gewesen, wenn die Menschen in den Straßen unterwegs gewesen wären. Trotzdem beschweren sich viele, dass Italien nach dem Erdbeben von 2009 mehr hätte tun müssen, um Gebäude sicherer zu machen und die lockeren Bauvorschriften zu verschärfen, die oft zu unsoliden Konstruktionen führen.

Wichtige Begriffe

Stärke 6.2
auf der Momenten-Magnituden-Skala. Pro 1 Stärke wird etwa 32 mal mehr Energie frei.
Epizentrum
Zentrum eines Erdbebens; in diesem Fall lag es etwa 25 Meilen nördlich von Amatrice und nur 6,2 Meilen unter der Erdoberfläche, das ist recht nah und verschlimmert die Auswirkungen.
Bewegt
In diesem Fall bewegt sich die afrikanische Platte circa zwei Zentimeter nach Norden jedes Jahr.
Gefängnis
Die Wissenschaftler wurden 2012 zu sechs Jahren Haft verurteilt, aber 2014 entlassen, nachdem sie ihre Berufung gewonnen hatten.
Radon
Ein Gas, das in der Atmosphäre vorkommt, und von dem einige glauben, dass es entströmt, bevor sich Erdbeben ereignen; Wissenschaftler haben jedoch ‘keinen signifikanten Zusammenhang’ gefunden.
Elektromagnetische Wellen
Kleine Veränderungen in dem Magnetfeld der Erde wurden vor Erdbeben aufgezeichnet. Doch heißt das nicht zwangsläufig, dass ein Erdbeben auftritt.
Verhalten bei Tieren
Seit der Antike sind Anekdoten überliefert, dass Tiere Tage vor einem großen Erdbeben aus der Gegend fliehen. Forscher haben bisher keinen Zusammenhang gefunden.