Iranisches Waffenprogramm sorgt für Spannungen

Jahrelang hat uns die Vorstellung eines mit Nuklearwaffen ausgestatteten Iran verfolgt. Der Schurkenstaat scheint nun endgültig ernst zu machen – befinden wir uns kurz vor einem Showdown?

Qoms, Iran. In einer geheimen, unterirdischen Anlage entwickeln Experten gefährliche Nukleartechnologie. Auf den Straßen wird Amerika lauthals der Tod gewünscht. Währenddessen ermorden Geheimagenten Wissenschaftler, um sie am Bau einer tödlichen Waffe zu hindern.

Obwohl es wie ein Hollywoodfilm klingt, ist das eben geschilderte Drama Wirklichkeit. Iran – der erklärte Feind des „zionistischen“ Israel und Amerika – reichert Uran an. Präsident Mahmoud Ahmadinejad behauptet, dass dies zu friedlichen Zwecken geschehe. Aber die Welt verdächtigt den Iran, eine Atombombe zu bauen.

Viele glauben, dass dieses Szenario um jeden Preis verhindert werden muss. Ein nuklear aufgerüsteter Iran droht Israel zu zerstören und sogar die USA zu gefährden.

Daher sehen viele nur eine Option: Laut dem amerikanischen Verteidigungsministerium könnte Israel ab April den Iran bombardieren. Barack Obama unterstützt solche Präventivaktionen allerdings nicht.

Andere sagen, dass Militäraktionen das Unvermeidliche nur hinauszögern würden. Und der Iran könnte sich – gemeinsam mit der verbündeten Hisbollah – mittels tausender Bomben bei seinem israelischen Nachbarn rächen.

Wie ist es soweit gekommen? Nach der Iranischen Revolution von 1979 wurde der Iran zu einer islamistischen Theokratie. Staats- und Regierungschef Ayatollah Khomeini erklärte Israel und Amerika zu Feinden des Islam. Seither sind Handel und Diplomatie durch offene Feindseligkeit ersetzt worden. Der Iran fühlt sich bedroht von den nuklearen Arsenalen seiner Feinde. Diese wiederum fürchten den iranischen Schwur, Israel einfach auszuradieren.

Als der Iran 2005 einen weltweiten Nuklearvertrag brach, folgten scharfe Wirtschaftssanktionen mit dem Ziel, Ahmadinejad an den Verhandlungstisch zu bringen. Auch mittels zwielichtiger Sabotagetechniken versuchte man, die iranischen Bestrebungen zu unterbinden.

Im November des Vorjahres jedoch fand die UNO neuerlich ernstzunehmende Hinweise auf die Produktion von Nuklearwaffen im Iran. Und obwohl sich iranische Politiker bereit erklärt haben, über dieses Thema zu verhandeln, hört Ahmadinejad nicht auf, die USA herauszufordern und zu bedrohen. Ein Militärschlag scheint legitim zu sein.

Eine existentielle Bedrohung?

Für einige ist die Bedrohung durch einen nuklearen Iran übertrieben. Verglichen mit den nuklearen Beständen von Israel und den USA wirkt eine Bombe im Iran bedeutungslos. Eine Überreaktion – verbunden mit eventuell daraus entstehenden Vergeltungsmaßnahmen – scheint das schlimmere Szenario zu sein.

Andere meinen, dass dieses Argument naiv sei und die ganze Welt gefährden würde. Der Iran ist rücksichtslos und macht kein Geheimnis aus seinem Hass gegen Israel und die USA. Ihm auch noch den Bau einer Atombombe zu gestatten, ist keine Option.

Du Entscheidest

  1. Kann einPräventivschlagjemals gerechtfertigt sein?
  2. Haben manche Länder eher ein Recht auf Nuklearwaffen als andere?

Aktivitäten

  1. Stell dir vor, der Iran wird überführt, Nuklearwaffen herzustellen. Wie könnte die Reaktion der verantwortlichen amerikanischen Politiker aussehen? Verfasse einen kurzen Text zu diesem Szenario.
  2. Schreib einen Brief an die iranische Regierung und setze dich diplomatisch gegen Nuklearwaffen ein.

Manche Leute Sagen

„Alle Länder haben ein Recht, sich zu verteidigen.“

Was meinst Du?

Wichtige Begriffe

Zionismus
Zionismus bezeichnet eine Ideologie, der zufolge das jüdische Volk ein Recht auf eine Heimat in Palästina hat. Nach den Erfahrungen des 2. Weltkriegs und des Holocausts wurde der Staat Israel zu eben diesem Zweck gegründet. Allerdings hat die daraus resultierende Vertreibung der im Land ansässigen Palästinenser dazu geführt, dass der Zionismus äußerst kontrovers gesehen wird – vor allem von den islamischen Völkern in der Region.
Präventivschlag
Wenn ein Land ein anderes attackiert, bevor dieses zuschlagen kann, spricht man von Präventivschlag.
Hisbollah
Die im Libanon ansässige Hisbollah ist vielleicht die bekannteste unter den militanten Gruppen im Nahen Osten. Sie ist sehr eng mit dem Iran verbunden und hat einen islamistischen Libanon zum Ziel.
Ayatollah Khomeini
Nach der Iranischen Revolution wurde Khomeini zum „Großen Führer“ der neugegründeten islamischen Republik Iran. Bis zu seinem Tod im Jahr 1989 verkörperte er die höchste religiöse und politische Instanz.