Geheimkonferenz der Mächtigsten der Welt

Die jährliche Bilderbergkonferenz, bei welcher die Weltelite hinter verschlossenen Türen diskutieren kann, hat wieder in Österreich stattgefunden. Ist die Weltführung transparent genug?

Telfs-Buchen, eine unscheinbare Kleinstadt auf über 1.000 m Seehöhe in den österreichischen Alpen. Inmitten dieser in Tourismusbroschüren gepriesenen, ruhigen Bergidylle, befindet sich das modern ausgestattete Interalpen-Hotel Tyrol, ein fünf Sterne Luxusressort mit Konferenzräumen für bis zu 400 Personen. Genau hier wird dieses Wochenende das exklusivste Treffen überhaupt stattfinden, ein Event, welches seit dessen Gründung 1954 jährlich für weltweiten Gesprächsstoff sorgt; die Bilderberg-Konferenz.

Laut Organisatoren soll die Konferenz den Dialog zwischen Europa und Nordamerika fördern. Insgesamt stehen dieses Jahr 133 Menschen aus einflussreichen Positionen auf der Gästeliste.

Unter den insgesamt 12 britischen Delegierten werden auch der britische Kanzler George Osborne und sein ehemaliger Schattenkanzler, Ed Balls, beim Treffen in den Alpen vertreten sein.

Politiker werden Seite an Seite mit Führungspersonen aus Finanz, Industrie, Transportwesen und Medien, sowie Geschäftsführern globaler Konzerne wie Google, Michelin und Shell, sitzen.

Der Schauplatz wird streng abgeschirmt, die Tagesordnung ist wage und auch ansonsten werden keine Resolutionen, Abstimmungen oder Erklärungen erwartet. Es gelten die Chatham-Hausregeln, die die Weiterleitung der besprochenen Inhalte nach außen einschränken sollen.

Die strengen Sicherheitsvorkehrungen bekräftigen die Exklusivität der Konferenz und Schaulustige müssen mit Polizeikontrollen und Sperrzonen rechnen. Auch in den vergangenen Jahren wurden oft Journalisten und Demonstranten verhaftet.

Diese Umstände haben zu Spekulationen und vielen Verschwörungstheorien geführt. Laut den Organisatoren ist die Bilderbergkonferenz wegen der Krisenzeit der frühen 1950er entstanden und soll die Zusammenarbeit zwischen den führenden Persönlichkeiten zu gemeinsamen Themen und Anliegen zu fördern.

So können alle Beteiligten ohne Zwang und Formvorschrift über globale Herausforderungen diskutieren und voneinander lernen.

Munkeln im Dunkeln

Viele der angereisten Demonstranten halten die Konferenz jedoch für zu geheim. Da die Teilnehmer der Konferenz sehr viel Macht haben, können sie den Menschen weltweit auch sehr schaden, wenn sie ohne Aufsicht Entscheidungen treffen würden. Die Konferenz sei demnach ein Paradebeispiel für undemokratisches Verhalten.

Andere meinen, das seien alles nur Verschwörungstheorien. Die Teilnehmer sind erfolgreiche Menschen und werden ohnehin schon mehr beobachtet als sonst irgendwer. Es sollte ihnen daher ab und zu erlaubt sein, sich ehrlich, privat und ungestört unterhalten zu können. Schließlich könnten wir von ihrem Fachwissen nur profitieren.

Du Entscheidest

  1. Müssen wir wegen der Ergebnisse der Konferenz besorgt sein?
  2. Sind die Entscheidungen der Mächtigen tatsächlich transparent genug?

Aktivitäten

  1. Schreibe eine detaillierte Tagesordnung über das, was die Teilnehmer deiner Meinung nach besprechen werden. Verwende die echte Tagesordnung aus der Rubrik ‘Werde Experte’ als Hilfe.
  2. Bereite ein Referat über drei berühmte Verschwörungstheorien vor. Erläutere die Hintergründe, warum Verschwörungstheoretiker mit der offiziellen Version der jeweiligen Gegebenheit nicht einverstanden sind. Aus welchem Grund finden Menschen solche Theorien faszinierend? Sehe dir den Link zu den wichtigsten Verschwörungstheorien an, um dir ein paar Ideen zu holen.

Manche Leute Sagen

„Die Wahrheit kann einer gerechten Sache niemals schaden.’Mahatma Gandhi“

Was meinst Du?

F & R

Wird denn bei der Bilderbergkonferenz überhaupt etwas beschlossen?
Da die Infos unvollständig sind, kann das niemand genau sagen. Laut Ken Clarke, einem ehemaligen Minister, konnte bei der Konferenz 2013 nichts entschieden werden, da sich die Teilnehmer damals nicht einig wurden. Andererseits verlautbarte Denis Healey, einer der Gründer der Gruppe, dass etwa der europäische Integrationsprozess ohne die Bilderbergtreffen gar nicht erst seine heutigen Ausmaße angenommen hätte.
Was besprechen die denn dort?
Das kann man nur grob erahnen, aber die Tagesordnung der aktuellen Konferenz beinhaltet Künstliche Intelligenz, Terrorismus und Globalisierung. Auch Länder, die derzeit Probleme machen, werden zur Sprache gebracht, dieses Jahr stehen etwa Russland und Griechenland zur Debatte.

Wichtige Begriffe

12 britische Delegierte
Die USA wird mehr Abgesandte schicken (33) als jedes andere Land. Darunter wird der ehemalige Sekretär Henry Kissinger, der schon bei der ersten Konferenz 1950 anwesend war, dabei sein.
Chatham Hausregeln
Diese Regeln wurden erstmals im Chatham House aufgestellt, einer Denkfabrik mit Fokus auf internationale Angelegenheiten. Die Regeln lassen zwar eine Weiterleitung des Gesagten zu, verbieten aber die Nennung der Person, die es gesagt hat.
Verschwörungstheorien
Unter anderem herrscht z.B. die Vorstellung, dass die Bilderberggruppe bestrebt sei, eine Weltregierung aufzubauen, dass sie von den Nazis gegründet worden sei und immer noch von ihnen geführt wird und auch, dass es sich um böse Diktatoren, welche von Echsen abstammen, handle, die die Welt beherrschen wollen.
Krisenzeit der frühen 1950er
Der Zweite Weltkrieg brachte vielen europäischen Ländern Armut. Man hatte auch Angst vor einer vermeintlichen kommunistischen Expansion und der Bedrohung durch Nuklearwaffen.