Eurovision Song Contest als Politbühne

Top of the Pops: Conchita Wurst aus Österreich gewinnt den ESC 2014.

Heuer war Österreich Sieger, bei der Punktevergabe war aber erneut Politik im Spiel.Stehen deswegen alle internationalen Wettbewerbe und Popevents für Ausgrenzung statt Verbrüderung?

Tanzende Dänen, die einen kleinen Violinenspieler in einer Kiste herumwarfen, ein Litauer der über Schuhe sang, ein wegen fehlendem Schnurrbart trauriger Franzose. Behaarte griechische Männer, die in Kilts zu Technopop tanzten. Am Ende gewann die Dragqueen Conchita Wurst aus Österreich mit ihrer Powerballade.

Der ESC ist das weltgrößte nicht-sportliche Ereignis, berühmt für die ausgelassene Stimmung. Obwohl das Publikum den Gewinner wählt, klagen viele, dass das mehr von politischen Beziehungen abhängt, als vom Talent der Teilnehmer.

Die Wahlergebnisse in der Geschichte des Events zeigen, dass Länder Nachbarn mit ähnlichen kulturellen Perspektiven bevorzugen. Kritiker beklagen dabei heuer den höchsten Politfaktor. Das Publikum in Kopenhagen buhte Russland für die Aktionen in der Ukraine und dessen schwulenfeindliche Gesetze aus, während es von den Nachbarn Weißrussland und Aserbaidschan Punkte bekam. Vor vier Jahren war ein Moderator der britischen Sendung der ESC mit der Behauptung zurückgetreten, dass dieser Wettbewerb nationale Vorurteile verstärken würde. Bringen solche Wettbewerbe also wirklich mehr Schaden als Nutzen?

Bei den olympischen Spielen war es oft so. Hitler dachte 1936 zum Beispiel, dass die Spiele in Berlin die Welt von der Macht der Nazis überzeugen würden, wurde aber von der Leistung des afroamerikanischen Läufers Jesse Owens beschämt. 1980 boykottierten über 60 Nationen die Spiele in Moskau aus Protest auf die sowjetische Offensive in Afghanistan. Prompt erschienen 1984 insgesamt 14 Verbündete Russlands nicht zu den Spielen in Los Angeles.

Beim Fußball ist es nicht anders. 1970 eskalierte das WM-Qualifikationsmatch zwischen El Salvador und Honduras zum Krieg. Der iranische Fußballverband sorgte für einen nationalen Skandal, als man Neujahrswünsche an das als feindlich eingestufte Land Israel sandte.

Trotzdem sagen viele, dass Sport zusammenschweißt. So lud die chinesische Regierung nach 20 Jahren Funkstille 1971 das US-Pingpong-Team zu einem Turnier ein, was neue diplomatische Beziehungen ermöglichte.

Alle gewinnen

Manche sagen, dass jeder Wettbewerb zwischen Nationalstaaten ein übertriebenes Konkurrenzdenken schafft, das dem Sportsgeist schadet. So würden Sport- und sogar auch Popevents nur noch zu politischem Geplänkel verkommen. Man sollte sich also nichts vormachen, denn in Wettbewerben gehe es immer nur um den Sieg über den Gegner.

Andere wiederum sagen, dass gerade der jetzige Gewinner und seine Transsexualität für Offenheit und Toleranz im Publikum sprechen würden. Wettbewerbe würden eben verschiedene Menschen durch gemeinsame Interessen verbinden. So lange nicht übertrieben wird, können alle Spaß haben und davon profitieren.

Du Entscheidest

  1. Glaubst du, dass internationale Wettbewerbe die Menschen auseinanderbringen, oder bringen sie sie eher zusammen?
  2. Der Spruch ‘Dabei sein ist alles’ ist doch nur etwas, womit sich Verlierer trösten. Glaubst du das auch?

Aktivitäten

  1. Stelle einen Kunstwettbewerb zusammen, an dem deine ganze Schule teilnehmen könnte und der alle zusammenbringen würde. Wie würdest du entscheiden wer gewonnen hat?
  2. Finde drei internationale Wettbewerbe, die Menschen zusammengebracht haben und drei, die für Konflikte gesorgt haben und mache eine Präsentation. Benutze die Links aus werde experte als Hilfe für deine Recherche.

Manche Leute Sagen

„Echtes Lernen beginnt, wo das Wetteifern aufhört.’Jiddu Krishnamurati“

Was meinst Du?

F & R

F: Wettbewerbe sind zum gewinnen da, was kümmert es mich, ob sie Menschen auseinanderbringen?
Obwohl natürlich nicht jeder gewinnen kann, sind manchmal Teilnehmer aufgebracht, weil sie glauben, dass sie nicht fair beurteilt werden. Viele meinen noch heute, dass etwa Großbritannien seit 2003 beim Song Contest so schlecht abschneidet, da es sich wegen der Teilnahme am Irakkrieg in Europa unbeliebt gemacht hätte.
F: Gönnen die Menschen wirklich auch ihren Nachbarn den Erfolg?
Bei der Eurovision scheint es, dass Länder, die sich kulturell und sprachlich ähneln, einander auch den Erfolg gönnen. Im Fußball ist das anders, hier möchte keiner seine lokalen Rivalen gewinnen sehen. So mögen England und Schottland zwar eine Nation sein, im Fußball oder Rugby sind sie jedoch erbitterte Gegner.

Wichtige Begriffe

Schwulenfeindliche
Präsident Putin erließ letzten Sommer ein Gesetz, dass jede Äußerung über gleichgeschlechtliche Beziehungen in Anwesenheit von Kindern unter Strafe stellt.
Owens
Jesse Owens gewann vier Goldmedaillen für die USA und auch seine Staffellaufmannschaft stellte damals einen neuen Weltrekord auf. Sein Sieg war ein schwerer Schlag für den gesamten Propagandaapparat der Nazis, die die Arier für eine überlegene Herrenrasse hielten.
WM-Qualifikationsmatch
Der Konflikt war auch als Fußballkrieg bekannt, wobei weniger Fußball sondern tiefer liegende Gründe wie die Massenmigration der beiden Länder untereinander das Problem waren. Übrigens führten im selben Jahrhundert auch Nicaragua und Honduras schon Krieg. Auslöser war, dass Honduras ein damals für sich beanspruchtes, aber umstrittenes Territorium auf einer nationalen Briefmarke abdrucken ließ.
Beziehungen
Amerika und China hatten nach 1949 den diplomatischen Kontakt abgebrochen, nachdem die USA sich für die Verliererseite im chinesischen Bürgerkrieg eingesetzt hatte. Nach diesem Ereignis wurde die durch Sport erreichte erneute politische Annäherung zwischen Ländern fortan als ‘Pingpong-Diplomatie’ bezeichnet.