‘Epidemie’ der Einsamkeit plagt junge Menschen

Gemeinsam einsam: Macht uns die zunehmende Technologisierung zu gut vernetzten Einzelgängern?

Laut Experten befällt Einsamkeit junge Menschen wie eine Epidemie. Soziale Medien machen die Dinge angeblich schlimmer. Wie ernst ist das Problem und sollten wir mehr tun, um es zu lösen?

‘Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes,’ schrieb der Dichter John Donne bereits im 17. Jh..

Im 21. Jh. scheint unsere Gesellschaft genau ins Gegenteil zu driften.

Das Thema Einsamkeit ist während der letzten Monate wieder stark präsent. So wurde Großbritannien kürzlich von dessen Nationalen Amt für Statistik europaweit zur Hochburg der Einsamkeit erklärt. Es wurde festgestellt, dass Briten in Lebenskrisen im Gegensatz zu ihren europäischen Nachbarn auf viel weniger Rückhalt von Freunden zählen können.

Auch wurde z.B. festgestellt, dass Isolation bei Senioren schlimmere gesundheitliche Folgen als Übergewicht hat, und sogar vorzeitig zum Tod führen kann.

Während Einsamkeit bei alten Menschen ein bekanntes Problem ist, wird sie bei jungen Menschen übersehen. Dennoch stellte 2010 die Mental Health Foundation fest, dass Einsamkeit und ihre Folgen bei Menschen unter 35 Jahren öfter vorkommen als bei Menschen über 55 Jahren. Manche Experten sprechen bei der Jugend sogar von einer Epidemie, auf die wir nicht vorbereitet sind.

Das Thema ist besonders ernst, da zunehmend klar wird, dass Einsamkeit unsere geistige Gesundheit schädigt und Stress, Depressionen, Paranoia, Angstzustände, sowie Suchtverhalten auslösen und sogar zu Selbstmord führen kann.

Die Effekte sind überall spürbar, so sind etwa auf Universitäten besonders viele Studenten wegen Einsamkeit in Therapie. Seit 2013 wird auch der Twitter hashtag #ForeverAlone oft genutzt, begleitet von bedrückenden Bildern von Fertiggerichten und Aussagen zu zerbrochenen Beziehungen.

Oft gibt man sozialen Medien die Schuld dafür. So projizieren User etwa eine überzeichnete Darstellung von sich selbst und vergleichen sich zwanghaft virtuell mit anderen, was auf Kosten echter sozialer Interaktion geschieht. Während man z.B. über Facebook mit einer weit entfernten lieben Person chatten kann, ist dagegen der Drang, online nach Anerkennung zu suchen, nicht gesund.

Jugendsorgen

Manche meinen, dass Einsamkeit, Schüchternheit, Selbstzweifel und ein niedriges Selbstwertgefühl bei jungen Menschen als Teil des Heranwachsens normal und daher akzeptabel seien. Auch würden viele junge Menschen absichtlich die Einsamkeit suchen, um sich mit sich selbst zu beschäftigen; daher sei nichts falsch daran, zu lernen, mit sich selbst zufrieden zu sein.

Andere argumentieren, dass zwar nichts gegen gewollte Einsamkeit einzuwenden sei, raten jedoch bei sozialen Medien zur Vorsicht, da die junge Generation zwar technisch am besten vernetzt sei, sich menschlich aber immer weiter entfremden würde.

Du Entscheidest

  1. Welche Faktoren tragen zur Einsamkeit bei?
  2. Glaubst du, dass junge Menschen leichter einsam werden als ältere Menschen, oder umgekehrt?

Aktivitäten

  1. Schreibe eine Liste von Möglichkeiten, wie man Einsamkeit bekämpfen kann.
  2. Bereite eine Debatte vor, bei welcher du für oder wider die Behauptung eintrittst, die besagt: ‘Facebook ist ein Spiegelbild der urbanen Einsamkeit.’

Manche Leute Sagen

„Die schlimmste Armut ist das Gefühl, einsam, unbeachtet und unerwünscht zu sein.’Mutter Teresa“

Was meinst Du?

F & R

Lassen uns soziale Medien tatsächlich vereinsamen?
Nicht alle Menschen sind betroffen, aber man muss sich schon fragen, wie viel Zeit man für soziale Medien aufwendet. Manche Experten raten dazu, in jungen Jahren feste, dauerhafte Freundschaften zu schließen, um Einsamkeit im Alter zu vermeiden. Online wird so etwas nur schwer möglich sein.
Wie fühlt sich Einsamkeit an?
Der Mensch braucht soziale Kontakte wie z.B. mit jemandem lachen oder auch weinen zu können. Wenn das nicht geht, fühlen wir uns einsam. Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass viele Menschen bewusst alleine leben und trotzdem glücklich sind, während andere viele soziale Kontakte haben und sich trotzdem einsam fühlen.

Wichtige Begriffe

John Donne (1572-1631)
Einer der führenden metaphysischen Poeten der Renassiance.
Hochburg der Einsamkeit
Die Studie offenbarte, dass Briten seltener ihre Nachbarn kennen oder starke Freundschaften pflegen als andere Nationalitäten innerhalb der EU.
Senioren
Kürzlich wurde verlautbart, dass Senioren in Pflege dazu ermutigt werden, an regelmäßigen Ausflügen mit anderen Senioren teilzunehmen, um Einsamkeit entgegenzuwirken, insbesondere da man erkannt hat, dass Einsamkeit schlecht für die Gesundheit ist.
Zunehmend klar
Sowohl der Vorstandsvorsitzende der Organisation mental health charity Mind, Paul Farmer als auch Jenny Edwards, Vorstandsvorsitzende der Mental Health Foundation erklärten unisono, dass Einsamkeit gleichermaßen Grund und Auswirkung mentaler Erkrankungen sein kann.