England sendet Truppen, „befreite” Malier jubeln

Freiheit! Die französische Flagge haltend, beobachten Kinder die Ankunft malischer Truppen © Getty Images

In nur zwei Wochen haben französische Truppen zahlreiche von Rebellen gehaltene Bastionen zurückerobert. Aufgrund des Beitritts Großbritanniens könnte dies nur der Anfang gewesen sein.

Jubelnde Menschenmengen säumten die staubigen Straßen Timbuktus und beobachteten die in die Stadt rollenden Panzerfahrzeuge. „Vive la France!” und “Vive Mali!“ war überall zu hören.

Malis berühmteste Stadt war für beinahe ein Jahr fest in der Hand islamistischer Soldaten gewesen. Tanzen, Singen und Rauchen war verboten, Frauen mussten sich verschleiern, und Verstöße wurden mit Tod oder Verstümmelung bestraft.

Unterstützt von Frankreich sowie afrikanischen Nachbarn gewinnt die Regierung Malis nun verlorene Gebiete zurück. Wo die Befreiungsarmee durchzieht, hinterlässt sie eine Art Karnevalstimmung: „Wir feiern eine große Party“, sagt ein Einwohner Timbuktus, „wir waren lange genug Gefangene.“

Französische Befehlshaber sind ebenfalls zufrieden: Nur zwei Wochen nachdem Präsident François Hollande die Offensive angekündigt hatte, sind bereits drei wichtige Städte zurückerobert und die Rebellen auf dem Rückzug. Die Besatzer von Timbuktu waren durch die Luftangriffe so geschwächt, dass die Stadt ohne einen einzigen abgegebenen Schuss eingenommen werden konnte.

Während also die Bürger Malis ihre Befreiung feiern, hat die britische Regierung verkündet, die Militärintervention mit 330 Mann zu unterstützen. Die Botschaft ist eindeutig: Auch wenn es bereits nach „Mission accomplished“ aussieht, scheint noch einiges zu tun zu sein.

Die erste Aufgabe der britischen Truppen ist es, afrikanische Soldaten für den finalen Schlag gegen die noch existierenden Stützpunkte der Rebellen vorzubereiten. Aber weit schwieriger wird es sein, die Wüstengebiete Nordmalis – eine Fläche größer als Frankreich – von den dorthin geflüchteten feindlichen Kämpfern zu befreien.

Die schlecht organisierten Rebellen können der gut trainierten und ausgestatteten französischen Armee nicht offen gegenübertreten. Aber wie es die Erfahrungen in Afghanistan und im Irak gezeigt haben, könnte eine Guerrilla-Armee, die mit Bombenanschlägen, Hinterhalten und Attentaten operiert, noch schwerer zu besiegen sein.

Sinnlose Mission?

Im November 2001 zog BBC-Korrespondent John Simpson mit NATO-Truppen in Kabul ein und erklärte die Stadt frei von Taliban. Zwölf Jahre später führen britische Truppen immer noch einen zermürbenden Kampf gegen fanatische Terroristen.

Für einige haben die fortgeschrittenen und skrupellosen Guerrillataktiken mittlerweile die Oberhand über den westlichen Militäreinsatz gewonnen. Egal wie stark eine Interventionstruppe ist, kann sie doch niemals einen Feind besiegen, der „aus dem Schatten“ zuschlägt. Andere wieder hoffen, dass die Generäle aus den vergangenen Konflikten gelernt haben. Wohlüberlegte Schritte und die Einbindung lokaler Truppen könnten dazu beitragen, Mali ein für alle Mal zu befreien.

Du Entscheidest

  1. Sind westliche Länder zu schnell bereit, Militärinterventionen zu starten?
  2. Werden französische und britische Truppen in drei Jahren immer noch in Mali sein?

Aktivitäten

  1. Stell dir vor, du bist ein einheimischer Journalist in Timbuktu. Verfasse einen Artikel für eine Lokalzeitung und schildere, wie du dich gefühlt hast, als deine Stadt von der Rebellenherrschaft befreit worden ist.
  2. Einige Strategen befürchten, dass der Konflikt in Mali in „Asymmetrische Kriegsführung“ ausarten wird. Verfasse eine kurze Erklärung dieses Begriffs und verwende dabei Beispiele aus der Geschichte.

Manche Leute Sagen

„Einen kurzen Krieg gibt es nicht.“

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Wichtige Begriffe

Timbuktus
Gegründet im 12. Jahrhundert, wurde Timbuktu schon bald zu einem wichtigen Wissenszentrum in der islamischen Welt. Viele große Akademiker hatten an der berühmten Universität gewirkt und mussten eine große Zahl an wertvoller und seltener Literatur zurücklassen. Die Rebellen setzten die vermeintlich blasphemischen Schriften in Brand, bevor sie die Stadt verließen; einige Bewohner der Stadt mühten sich, die brennenden Bücher zu retten.
Afrikanischen Nachbarn
Eine Koalition von westafrikanischen Nationen, darunter Guinea, Benin und die Elfenbeinküste, hat Truppen zur Unterstützung der malischen Regierung entsandt. Andere, darunter englischsprachige Länder wie Südafrika, sind ebenfalls unterstützend tätig.
Wüstengebiete
Zwei Drittel der Oberfläche Malis sind von Sand bedeck. Im Norden des Landes befindet sich die Sahara, die heißeste Wüste der Welt. Weiter südlich gibt es die Sahelzone, die ebenfalls sehr heiß und trocken ist und menschliche Besiedelung stark erschwert. Aufgrund seiner Geographie ist Mali eines der am wenigsten dicht besiedelten Länder der Welt.