Draufgänger durchbricht Schallmauer im freien Fall

Felix Baumgartner bereitet sich auf den Testsprung aus seiner Kapsel vor © Getty Images

Bei Felix Baumgartners Sprung von der Weltraumgrenze stockte der Welt der Atem. Sein Überschallsprung brach mehrere Weltrekorde und ist eine menschliche und technologische Spitzenleistung.

Aus der offenen Luke der Kapsel, blickte Felix Baumgartner in die Tiefe. Unter ihm gut sichtbar die Erdkrümmung, bläulich schimmernd, umrandet von Dunkelheit, die Luft fast völliges Vakuum. 39 km über der Erde, kannte er nur ein Ziel – nach unten. Während Millionen zusahen, sprang Baumgartner mit rasender Beschleunigung in die Tiefe. 800, 900, dann 1.000 km/h und mehr. Erst nach Durchbruch der Schallmauer zog der Teufelskerl die Reißleine.

Mit über 1.158 km/h Spitze stellte Baumgartner neue Weltrekorde für den höchsten und schnellsten freien Fall auf. Der Sprung am Sonntag wurde mit einem 300-köpfigen Team 5 Jahre vorbereitet, die Technologie dahinter ist unvorstellbar. So war z.B. der Ballon, mit dem Felix 4 Mal höher stieg als normale Passagiere, 55 Stockwerke hoch, hatte aber nur ein Zehntel der Dicke eines Gefrierbeutels.

Joe Kittinger, der alte Rekordhalter seit 1960, beriet Felix zu den Risiken. Auf ca. 39 km Höhe hat es minus 60°C. Die Luft ist so dünn, dass im Körper Bläschen entstehen, die buchstäblich das Blut kochen lassen. Zum Schutz trug Felix einen High-Tech-Anzug, der auch für zukünftige Astronauten nützlich sein könnte. Anfangs kam er gefährlich ins Schleudern und wurde durch die Luft gewirbelt, allein durch Erfahrung konnte er sich wieder stabilisieren.

Der 42-jährige Baumgartner sprang mit 16 erstmals mit dem Fallschirm und arbeitete später als Fallschirmspringer für das Militär. Bekannt wurde er jedoch durch BASE-Jumping, eine der gefährlichsten Sportarten der Welt. Anstatt aus Flugzeugen, springen BASE-Jumper von Gebäuden, Brücken oder Klippen und müssen ihren Fallschirm binnen Sekunden öffnen. Einer von Baumgartners ersten Rekorden war der Sprung von der „Christus der Erlöser“ Statue in Rio de Janeiro, mit 29m bisher der kürzeste BASE-Jump der Welt.

Am Sonntag dachte Felix aber nicht an Rekorde – nur „lebend wieder zurückzukehren“ sei wichtig gewesen. „Manchmal müssen wir wirklich hoch hinaus, um zu sehen, wie klein wir sind.“ – sagte er.

Himmelhoher Erfolg

Für viele Zuschauer ist Baumgartners Spruch eine Lebensweisheit. Manche denken, dass man heute ohne große Gefahr den Everest besteigen oder in die Antarktis segeln kann. So gesehen existieren wahre Abenteuer kaum noch. Durch seinen todesmutigen Sprung hätte Felix nach Meinung einiger demonstriert, was ein menschliches Wesen leisten kann. Sein Stunt sei daher einzigartig und tiefsinnig zugleich.

Aber nicht alle denken so. Obwohl nämlich viel Geld und Arbeit in das Projekt investiert wurden, vergleichen wiederum einige das Ergebnis mit einem Viral Video, welches nur einige Minuten Nervenkitzel bietet. Demnach wäre die Aktion zwar spektakulär, aber eben keine große Leistung.

Du Entscheidest

  1. Warum sollte uns Baumgartners Leistung beeindrucken?
  2. Gibt es wirklich fast keine echten, gefährlichen Herausforderungen mehr auf der Welt?

Aktivitäten

  1. Stell dir vor, du würdest ein Interview mit Baumgartner nach seiner Landung führen.
  2. Diskutiert in Gruppen, was Baumgartners nächster rekordträchtiger, todesmutiger Stunt sein könnte.

Manche Leute Sagen

„Extremsportarten sind nur etwas für Hohlköpfe.“

Was meinst Du?

Wichtige Begriffe

Vakuum
Im Vakuum gibt es keine Luft. In ca. 39 km Höhe ist der Sauerstoffanteil in der Luft so gering, dass Baumgartner für den gesamten Sprung ein Beatmungsgerät tragen musste.
Schallmauer
Wird „durchbrochen“, wenn sich ein Objekt schneller als 1.110,45 km/h bewegt. Diese Geschwindigkeit nennt man Mach 1. Manche Menschen haben schon vor Felix die Schallmauer durchbrochen, aber nicht mit Absicht. 1966 wurde z.B. ein US Testpilot aus einem beschädigten Flugzeug geschleudert, erreichte mit Mach 3,16 die dreifache Schallgeschwindigkeit und überlebte.
Zukünftige Astronauten
Baumgartners Anzug besteht aus vier Schichten, wobei jede eine besondere Aufgabe hatte, ihn vor Kälte, Unterdruck und Sauerstoffmangel in der Stratosphäre zu schützen. Diese Technologie könnte auch zukünftigen Astronauten zugute kommen, wenn sie in Gefahr geraten (z.B. beim Notausstieg nach dem Abheben).
BASE-Jumping
Die Initialen B.A.S.E. sind die englische Abkürzung für die Absprungspunkte der Springer dieser Sportart (B = Bauwerke; A = Antennen und Masten; S = Stege und Brücken; E = Erderhöhungen wie Klippen und Berge). Sobald jemand von allen diesen Absprungspunkten gesprungen ist, gilt er offiziell als BASE-Jumper und bekommt eine eigene Nummer zugeteilt. Baumgartners Nummer ist die 502.