Achtung, Achtung, das Great Barrier Reef stirbt!

Ist das die Zukunft? Das Riff reicht von 200 Kilometer vor Brisbane fast bis Papua Neuguina.

Während der Rest der Welt auf Trump und Nordkorea blickt, protestieren junge Australier gegen die Zerstörung des Great Barrier Reef. Warum ist das nicht die wichtigste Nachrichten-Story?

Es ist die größte lebende Struktur der Erde und Lebensraum von 1600 Fischarten. Zwei Millionen Menschen besuchen jedes Jahr das Great Barrier Reef, das vor zirka 20 Millionen Jahren entstanden ist. Doch das maritime Biotop nahe der Nordostküste Australiens ist bedroht. Fast ein Viertel der Korallen ist in den vergangenen zwei Jahren abgestorben.

Richard Vevers, ein Taucher, der das Phänomen letztes Jahr beobachtet hat, erinnert sich: “Die harten Korallen sahen aus, als wären sie schon jahrelang tot. Die weichen Korallen lagen im Sterben, das Fleisch der Tiere verrottete.” Mehr als 90 Prozent des Riffs sind vom sogenannten “Ausbleichen” (“Bleaching”) betroffen: Ist das Wasser zu warm, verlieren sie ihre Algen und ihre Farbe. Falls sich die Lebensbedingungen nicht schnell verändern, müssen die Korallen verhungern.

Das wirkt sich auf die Nahrungskette aus. Wenn Fische und Algen ihre Energielieferanten verlieren, haben die größeren Fische und Vögel nichts mehr zu fressen, und Pflanzen, die Vogel-Kot zum Wachstum brauchen, gehen ein. Auch eine halbe Milliarde Menschen wird die Auswirkungen zu spüren bekommen, nämlich jene, die von und mit den Korallenriffen leben – für ihre Nahrung, für ihr Einkommen und als Schutz vor großen Wellen.

Zur Zeit wird überall die längste Bleaching-Phase gemessen, die es je gab. Riffe rund um die Welt leiden, so auch das größte tropische Riff Großbritanniens im Indischen Ozean. Als Hauptursache betrachten Wissenschaftler die Klima-Erwärmung. Die Temperatur der Wasseroberfläche der Ozeane ist in den vergangenen 35 Jahren um ein Grad Celsius angestiegen.

Viele junge Australier gehen auf die Straße, um gegen die Tatenlosigkeit ihrer Regierung zu protestieren. In den USA wird die Regierung sogar von Teenagern verklagt, weil sie nicht genug für den Klimaschutz tut. Die meisten Leute beschäftigen sich jedoch mit anderen Fragen, sei es Nordkorea oder die bevorstehende britische Parlamentswahl. Übersehen wir das wichtigste politische Thema dieses Jahres?

Mensch gegen Natur?

Manch einer denkt so. Wir sollten uns für unsere Ignoranz und Kurzsichtigkeit schämen, während das wertvolle Naturdenkmal auf eine Katastrophe zusteuert. Damit schaden wir uns letztlich selbst. Der Planet Erde ist unsere einzige Ressource, alle anderen politischen und wirtschaftlichen Fragen sind im Vergleich dazu zweitrangig.

Jetzt übertreibt mal nicht, sagen andere. Das Wohl des Riffs zur Priorität zu erklären, hieße, den industriellen Fortschritt zu gefährden. Außerdem sind wir Menschen mit größeren Problemen konfrontiert, wie z.B. Terrorismus, Atomwaffen, Armut und Krankheiten. Unser Schicksal ist immer noch bedeutender als das der Meeresbewohner.

Du Entscheidest

  1. Was liegt Dir mehr am Herzen: das Great Barrier Reef oder andere politische Themen?
  2. Sollte das Wohl der Natur mehr zählen als die Bedürfnisse der Menschen?

Aktivitäten

  1. Entwirf eine Anzeige, die Touristen dazu animieren soll, das Great Barrier Reef zu besuchen. Wenn Du mehr tun willst, schließe Maßnahmen ein, die sie selbst zu seiner Rettung ergreifen können.
  2. Schreibe ein Manifest (eine Liste politischer Vorschläge und Forderungen), das nicht länger als eine Seite ist. Zeige darin auf, wie Du den Klimawandel bekämpfen würdest, wenn Du ein Politiker wärst. Tausche die Liste anschließend mit einem Partner und diskutiert Eure Ideen konstruktiv. Was könnte funktionieren und warum? Wo gibt es eventuell Probleme?

Manche Leute Sagen

„Die Menschheit ist eine Seuche für die Erde.“

Was meinst Du?

F & R

Was wissen wir?
Aktuelle Luftaufnahmen zeigen, dass das Ausmaß der Ausbleichung an das von 2016 heranreicht. Dafür sorgt die steigende Temperatur der Ozeane und der Einfall von übermäßig viel Sonnenlicht durch einen sinkenden Meeresspiegel.
Was wissen wir nicht?
Es ist zu früh, das Korallensterben dieses Jahr insgesamt zu beziffern, aber es ist bereits klar, dass der Schaden sich weiter nach Süden zieht als 2016. Wir wissen auch nicht, was die Regierung eigentlich dagegen unternehmen kann. Projekte zur Verbesserung der Wasserqualität blieben jedenfalls ohne Erfolg.
Was denken die Leute?
Dass die Zeit knapp wird, das Great Barrier Reef zu retten. Wenn der CO2-Ausstoß nicht sinkt und die Meere immer wärmer werden, könnten Korallenriffs auf der ganzen Welt verschwinden.

Wichtige Begriffe

(Das) größte
Das Great Barrier Reef ist über 2300 Kilometer lang und etwa so groß wie Deutschland.
Art
In dem Riff leben 130 Hai- und Rochenarten sowie mehr als 30 Wal- und Delphinarten.
Besuchen
Dies bringt der australischen Wirtschaft etwa 3,5 Milliarden Euro ein.
Vor
Das Wachstum des Korallenriffs wurde immer wieder durch Umwelteinflüsse wie Eiszeiten unterbrochen; seine heutige Form bekam es während der letzten 8000 Jahre. Man nimmt an, dass schon Ureinwohner-Stämme vor 40 000 Jahren mit dem Riff Kontakt hatten. Der erste dokumentierte Beweis stammt jedoch von 1768.
Abgestorben
Im oberen Drittel des Riffs ist schätzungsweise die Hälfte aller Korallen tot.
(Das) längste
Mitte 2014 haben Wissenschaftler das “Bleaching” zum ersten Mal bemerkt.
Großbritanniens
Schätzungen zufolge sind bis zu 85% der Korallen im Chagos Marine Reserve (Britisches Territorium im Indischen Ozean) beschädigt oder abgestorben.
Erwärmung
Die aktuelle Ausbleichung wird dieses Jahr von einem intensiven “El Niño” verstärkt – einem Wetterphänomen, das mit warmem Wasser im Pazifik zu tun hat.